Zippo hat geschrieben: ↑Mo 16. Mär 2026, 16:45
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Mo 16. Mär 2026, 14:43
Wir sind nicht dazu verpflichtet,
Gefühle der Liebe für "Feinde" zu empfinden, also für Menschen, die uns oder anderen Böses wollen oder tun.
Wenn ich schon meine schlechten Gefühle mal beiseitelasse, in welchen Fällen wäre eine Liebe für Feinde sinnvoll und wie würde das gelebt werden ?
Mit "Feindesliebe" sind nicht
Gefühle der Zuneigung und Liebe gemeint, Abischai hat dir das ja auch noch erklärt.
Es geht u.a. darum, wie man mit Aggressionen umgeht, die von anderen ausgehen und auf mich gerichtet sind.
- nicht Böses mit Bösem vergelten
- nicht zurückschlagen "aber DIR werde ich es zeigen...!"
- "die andere Wange hinhalten"
- segnen, weil wir dazu berufen sind, Segen zu erben
Konkret: Wenn jemand gemein angegriffen wird, dann empfindet er ein natürliches Bedürfnis, die Bosheit mit Härte zu beantworten, um sie abzuweisen und den anderen zu bestrafen.
Das ist normal, bewirkt aber nicht selten eine Eskalationsspirale.
Auch der Angegriffene wird dann schuldig und es wird für ihn- das Opfer- schwer bis unmöglich, die Auseinandersetzung zu beenden, ohne sein Gesicht zu verlieren.
Wollen wir das?
Dann hätten der Aggressor und eventuell die Mächte, die ihn dominieren, ja sein/ ihr Ziel erreicht.
Kinder Gottes sollen die Strategie des gewaltlosen Widerstandes wählen. Nicht verwunden, sondern, wenn möglich, heilen.
Ich "halte die andere Wange hin" (ducke mich nicht weg),
- ich verzichte auf Vergeltung 1:1 (wenn ich hierin gehorsam bin, habe ich GOTT auf meiner Seite und darf damit rechnen, dass
Er sich der Ungerechtigkeit annimmt),
- ich segne, weil
Gott es so will. Genau gesagt: Ich bitte
Gott, den Aggressor zu segnen, und unterstelle die Entscheidung seinem Willen, denn so ganz sicher bin ich mir manchmal auch nicht, ob Gott das jetzt will, dass
ich einen Segen spreche.
Muß ich mir alles gefallen lassen ?
Nein. Meine berechtigten Interessen darf ich selbstverständlich vertreten- es ist nur die Frage, WIE.
Dass man sich im Rahmen der säkularen Gesetzgebung bewegt und diese als Autotität akzeptiert, setze ich voraus. Das betrifft eher rechtliche Fragen, z.B. den Antrag auf Scheidung bei einem Ehepaar. Wenn ein Konflikt auf Grundlage des BGB oder StGB ausgetragen wird, sollte man ihn auf dieser Ebene belassen und nicht unbedingt persönlich werden.
Ich meine aber, die größere Anzahl von Konflikten wurzelt im sozialen Umfeld.
Immer wieder lässt Gott die Ungerechtigkeit "siegen", zumindest sieht es erst einmal so aus für mich. Ich muss nachgeben, ich "verliere" und habe vielleicht auch einen finanziellen oder einen sonstigen Schaden, ich muss das Feld dem anderen überlassen, weil ich mit meinen Möglichkeiten am Ende bin. -
Im Rückblick erkennt man jedoch oft, dass das Verlieren mir tatsächlich zum Gewinn wurde, und das nicht als "Trostpflästerchen" (Trostpreis), sondern von einer nicht zu übersehenden Dynamik und Beständigkeit.
Warum? - Weil ich einen anderen Weg einschlagen... weil ich meine Pläne ändern
musste, was ich, hätte sich der Angreifer mir nicht entgegen gestellt und mich nicht dadurch zu einer Richtungsänderung gezwungen, nicht getan hätte.
Die langjährige Beobachtung zeigt: Den Aggressoren zerrinnt das, was sie sich gewaltsam angeeignet hatten, unter den Fingern. Es kann sein, dass sie eine Weile lang Oberwasser haben oder hatten, während ich die Scherben zusammenkratzen und neu anfangen musste, verachtet und verleumdet und teilweise regelrecht geächtet - und ich mich nicht dagegen wehren konnte.
Aber irgendwann schlug das Pendel dann zuverlässig in die andere Richtung aus. Keiner von denen, die mich übervorteilten und rücksichtslos schädigten, wurde mit der Beute "glücklich".
In der Regel kümmere ich mich nicht darum, was so einer treibt, nachdem ich mich distanziert und den Fall Gott übergeben habe, (um nicht länger an die Sünde des anderen gebunden zu sein) und konzentriere mich darauf zu erkennen, was
Gott von mir erwartet und diesen Aufgaben gerecht zu werden.
Irgendwann einmal kommt der Ex- Feind vielleicht noch einmal in mein Blickfeld. Nun... es gab noch keinen einzigen Fall, in dem ich so jemanden hätte beneiden müssen. Mit
deren Leben wollte ich jedenfalls
nicht tauschen. SEGEN sieht anders aus. Ich bin froh, dass mein Leben um so viel geordneter und positiver ist und ziehe es vor, im Segen zu leben.
Und jetzt kommt die Feindesliebe ins Spiel. Wenn nämlich nach Jahren der andere den Kontakt sucht und Rat braucht, eventuell mentale Unterstützung, weil er in Schwierigkeiten geraten ist (wie sollte es auch anders sein? Wer Unrecht sät, wird Verwirrung und "Pech" ernten).
Kann ich die Anteilnahme verweigern?
Nein. Das kann ich
nicht.
Es sind gemischte Gefühle-- weil die alten Verletzungen halt wieder hochkommen, wenn auch in abgeschwächter Form und ich mit Abneigung und Widerwillen zu kämpfen habe. Warum soll ich denn jetzt Verantwortung übernehmen, nachdem der andere mich doch stur und unbelehrber aus der Entscheidungsfindung ausgeklammert und selbstherrlich agiert hatte?
Am liebsten würde ich in Deckung bleiben und mich nicht engagieren müssen.
Aber -- ich möchte Gott und mir treu bleiben. Also bin ich ansprechbar, allerdings aus einer gewissen Distanz heraus, denn durch die lange Zeit der Kontaktlosigkeit ist die Beziehung ja nicht unbedingt lebendig und unbeschwert, und da zwinge ich mir auch nichts ab; ich wüsste nichts davon, dass wir von Gott dazu verpflichtet werden, zu heucheln.
Ich könnte sagen: "Das hast du jetzt davon, jetzt sieh gefälligst selbst zu, wie du klar kommst". Und ich muss meine Emotionen kontrollieren, denn natürlich ist da irgendwo auch ein Gefühl der Genugtuung.
Wenn ich jedoch voraussetze, dass Menschen meist nicht in böser Absicht sündigen, sondern, weil sie durch ihre Kollaboration mit Sünde verpeilt sind und ein Teil ihrer Bosheit auf dämonisches Wirken zurückzuführen ist... *seufz*...
Ich bleibe auf Distanz und bleibe auch vorsichtig... denn
ich werde mich diesem Menschen gegenüber nicht mehr angreifbar machen, wenn sich das vermeiden lässt..., bin aber ansprechbar.
Wenn dein Feind hungert, dann gib ihm etwas zu essen.
So ist das, glaube ich, gemeint.
Heute nennt man das Fairness.
So lange ein Rebell im Zustand der Auflehnung und permanent oder unberechenbar aggressiv ist, muss man sich nicht als Zielscheibe präsentieren und sich wieder und wieder linken und verletzen lassen.
Hier ist es durchaus legitim, sich zu distanzieren, zum Zwecke der Deeskalation und, um sich selbst zu schützen.
Also: Man versucht nicht weiter vergeblich, "den anderen zu ändern", man muss weder immer das letzte Wort noch ständig Recht haben (auch dann nicht, wenn man im Recht
ist, denn der andere
will ja nicht begreifen), man steigt aus dem Gefecht aus, zieht Grenzen: "In diesem Ton werde ich nicht mit dir debattieren. Wenn du dazu bereit bist,vernünftig und in Ruhe mit mir zu reden, kannst du wiederkommen".
Und das sollte man dann auch durchziehen. Und zwar konsequent.
Wenn man mit dem anderen nicht zivilisiert reden kann, weil er ständig ungerecht angreift und mit Fake-Schuldzuweisungen um sich wirft, um dich in die Defensive zu zwingen, und, um Streit zu provozieren und damit eine Einigung zu sabotieren, sollte man sich nicht dazu verleiten lassen, sich zu rechtfertigen ohne Ende und wieder und wieder zornig zu werden. Man stirbt nicht davon, dass man den Mund hält.
Und genau hier und in solchen festgefahrenen, aussichtslosen Fällen kann man "segnen lassen". Nichts mehr sagen... nur segnen. Jedes Mal, wenn Aggressionen und unberechtigte Schuldzuweisungen losgelassen werden.
Es fällt schwer, ja. Mir auch.
Wenn ich sagen würde, es tue mir leid, dass die alte Nachbarin, die mich etwa acht Jahre lang sinn- und grundlos beschimpfte, wenn ich im Garten arbeitete, vor etwa eineinhalb Jahren verstorben ist, würde ich lügen.
Es kann sein, Gott nimmt die Belastung weg- in meinem Leben war das sogar die Regel. Vielleicht, nein, oftmals! dauert(e) es Jahre. Und über einen so langen Zeitraum können anhaltende Attacken schon zu einer schweren Last und zermürbend werden. Gott prüft uns halt auch. Bleiben wir Ihm treu? Halten wir uns
unter allen Umständen an seine Regeln?
Oder denken wir irgendwann "jetzt ist es genug" und greifen zum Schwert menschlicher Möglichkeiten und Reaktionen (und hauen mal kurz so richtig rein; lassen Dampf ab)? - was ja letztlich bedeutet, wir kündigen Gott das Vertrauen auf, dass Er alles in unserem Leben im Blick hat und uns recht führen wird.
Wenn man denkt, "Gott hat mich vergessen"... dann kann man das Problem vor Ihn bringen und um Wegweisung bitten. Wenn man lange genug dran bleibt, dann kommt schon irgendetwas, an dem man sich eine Weile lang festhalten kann.
Was stellt man sich denn darunter vor, "sein Kreuz auf sich zu nehmen"? Nach "beschwerdefrei" klingt das jedenfalls nicht.
Der Widersacher weiß bestens, wo wir unsere Schwachstellen haben; wo wir am wirkungsvollsten angreifbar sind.
Den Sieg erringen können wir nur, wenn wir
ganz auf der
Seite Gottes sind und uns an die von Gott vorgegebenen Weisungen halten. Einfach mal im Vertrauen darauf, dass Er es besser weiß als wir.
LG