Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52
Es ist sinnvoll, psychische Probleme wie Traumata und Erkrankungen nicht pauschal "dämonischem Wirken" zuzuschreiben, damit würde man der Realität auch nicht gerecht werden.
Wenn man aber jeglichen Einfluß dämonischer Geister auf den Menschen leugnet, dann ist das genauso an der Realität vorbei und damit schlicht und einfach falsch.
Die Autorin leugnet das nicht, sie erklärt nur einen anderen Zugang dazu. Sie warnt ebenfalls davor, den Begriff Dämon vorschnell als individuell pathologisch einzuordnen. Wenn man so will, dann leugnet sie Vorstellungen, woraus genau diese Fehler begangen werden.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52
Wenn sie "Dämonen" und deren Wirken wegerklären möchte, dann muss sie das auch mit den Engeln Gottes tun. Denn es handelt sich um Geschöpfe Gottes, um Geistwesen. Wenn die "bösen Engel" nicht existieren, dann gibt es auch die "guten Engel" nicht.
Sie erklärt auch nichts weg.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52
Der Engel des Herrn... Jesus Christus...ist dann aber natürlich ebenfalls nur eine "Projektion". - Dass der Menschensohn bei seiner Wiederkunft von Engeln begleitet werden wird-- "
Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm" Mt. 25,31, wäre dann die Steigerung der unterstellten Wahnvorstellungen.
Sie selber greift dieses Thema nicht speziell auf um so Böse Geister und Dämonen dialektisch zu erklären. Aber sie folgt der Theologie von Walter Wink, der genau das macht. Unterm Strich lässt sich damit sagen, dass natürlich solche Bibelpassangen als Wahnvorstellungen von Menschen verstanden werden. Wir nennen es Gaube, die Welt nennt es verrückt. Die Welt schüttelt den Kopf, wenn wir nicht zu den egoistischen Nutzenmaximierern gehören wollen, sondern Altruismus und Nächstenliebe praktizieren. Das Verhalten ist die eine Sache, die Wertung des Verhaltens eine andere.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52
Und Frau Sutter- Rehmann wird erklären müssen, warum eine Schlange auf menschlichem Niveau denken und sprechen kann.
Eine Geschichte aus 1001 Nacht?
Ich kann mich gerade nicht daran erinnern, ob sie darauf am Rande eingeht. Ich meine nicht. Aber warum sollte das die Frage berühren ? Die Schlange war ein Tier und die Schlange und Eva konnten sich gegenseitig verstehen. Welcher Art diese Kommunikation war, bleibt eigentlich offen. Sie schwätzten aber kaum Hebräisch miteinander. Lebewesen kommunizieren auf unterschiedlichste Art. Mit Zeichen, mit Lauten, mit Gesten. Du willst aber wahrscheinlich darauf hinaus, dass ein hebräisch sprechender Satan durch die Schlange zu Eva sprach, oder ? Das müsstest du dann aber erklären, statt nur zu behaupten, und nicht Sutter-Rehmann.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52Wie genau die Welt der unsichtbaren Mächte und Gewalten gestaltet ist und wie sie funktioniert- das können wir nur vermuten, es ist aber nicht wirklich wichtig.
Dann empfehle ich dir Walter-Wink dazu. Das Verstehen, wovon da in der Bibel die Rede ist, ist sogar sehr wichtig.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52Wir können die Dimension der unsichtbaren Welt nicht erfassen, weil uns dafür die Voraussetzungen fehlen. Meiner Meinung nach sind hier im Wort Gottes reale Wahrheiten beschrieben, auf eine Art, die der Mensch verstehen und nachvollziehen kann. In "Codes", in Bildern. Nicht nur als so eine Art "Erklärung" für die Strukturen, in denen wir leben und die wir als Wirklichkeit wahrnehmen und erfahren, sondern auch als "Guide"--- wie wir mit den beschriebenen Tatsachen umgehen können und sollen.
Richtig, wir können nicht alles vollständig erfassen, aber das liegt an der Komplexität und Reichweite von Wechselwirkungen. Deswegen wird nur Jahwe der "Herr Zebeaoth" genannt. Er hat alles in der Hand, was außerhalb unserer Beherrschbarkeit liegt. Wir haben höchstens Einfluss, aber die Auswirkungen folgen nicht immer unseren Absichten, sondern können sich auch ins Gegenteil verkehren. Wir nennen sowas verharmlosend "Nebenwirkungen". Der Theologe Thomas Ruster beschreibt es in seinem Buch "Von Menschen, Mächten und Gewalten. Eine Himmelslehre" als systemische Eigendynamiken. Die Autorin bezieht sich zwar teilweise auf Ruster, der sich wiederum auch auf Walter Wink bezieht, aber speziell dieses genannte Buch von Ruster erwähnt sie komischerweise nicht explizit. Aber vielleicht greift er die Thematik auch woanders auf.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52
Es gibt vier Grundregeln für die Auslegung, die gleichsam den Schlüssel zum Verständnis des prophetischen Wortes darstellen.
Die erste von ihnen - sie sind von dem amerikanischen Theologen David L. Cooper formuliert worden - wird auch die „goldene Regel der Auslegung" genannt:
,,Wenn der einfache Sinn einer Schriftstelle dem gesunden Menschenverstand einleuchtet, dann suche keinen anderen Sinn; versuche deshalb, jedes Wort in seiner ursprünglichen, einfachen, gewöhnlichen und wörtlichen Bedeutung zu erfassen, wenn nicht der unmittelbare Textzusammenhang - im Licht anderer, ähnlicher biblischer Aussagen und unumstößlicher, fundamentaler Wahrheiten betrachtet - deutlich in eine andere Richtung weist. "
Dies bedeutet einfach, daß alle Bibelstellen wörtlich genommen werden müssen, wenn nicht irgend etwas im Text darauf hinweist, daß sie anders als wörtlich zu verstehen sind. Wird diese Regel konsequent angewandt, so vermeidet man eine falsche Deutung der Tagesereignisse und eine „Auslegung aufgrund dessen, was die Tagespresse berichtet"
Quelle
Mir scheint, Frau Sutter- Rehmann hält es mehr mit der „Auslegung aufgrund dessen, was die Tagespresse berichtet".
Das liest sich wie Ockhams Rasiermesser. Ich halte davon wenig. Allein schon das Einbeziehen des "gesunden Menschenverstandes" hat unendlich viele Prämissen und Implikationen, die wenig bis gar nichts mit natürlichem Wissen oder reiner Intuition des Menschen zu tun haben. Was hier so harmlos "gesunder Menschenverstand" genannt wird, hat eine historische Pfadabhängigkeit und ist eine formell oder informell erlernte und überlieferte Kulturtechnik.
Alte Lehrer, was soll das sein ? Meinst du, weil sich Fruchtenbaum Jude nennt, verfügt er über ein jahrtausende Altes lückenlos und unverfälscht überliefertes Geheimwissen, das er gnädigerweise teilt ? Fruchtenbaum gehört in die selbe Kategorie wie Friedrich Weinreb. Ist zwar nicht alles falsch und blöd, aber durchaus genau so mit Vorsicht zu genießen.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52Es steht jedem frei, die Authentizität der Bibel in Frage zu stellen und damit die Autoren der Bibel zu verirrten Geistern, zu abergläubischen Unwissenden oder gar zu Märchenerzählern und Lügnern zu erklären.
Das hat die Autorin nicht vor. Ich gehe davon aus, sie kennt die Prämissen der Quellentheorie nicht wirklich. Sie geht zwar nicht ausführlich in dem Buch auf Prophetie ein, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass sie Prophetie leugnet. Und wenn man im Theologielehrgang erst mal nur das Datum der Zerstörung des Tempels vor den Latz geknallt bekommt, hinterfragt man das erst mal nicht.
Die Wissenschaft hats halt methodisch festgestellt. Sowas beeindruckt ja auch viele Christen, die irgendwwelche Konkreten Datums-Angaben eingeordnet nach unserem Kalender einfach unreflektiert übernehmen. Du bist doch sicher auch der "Überzeugung", dass der erste Tempel im Jahre 587 v. Chr. zerstört wurde ?
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52
Im AT ist auch wiederholt von "Satan"- in der Bedeutung "Widersacher" und von "bösen Geistern" die Rede.
Und ? Meinst du, das weiß ich nicht ? Auch Sutter-Rehmann weiß das. Sie analysiert sogar akribisch die Bedeutung von diesen Bösen Geister und "Dämonen" im griechischen und hebräischen AT. Trotz des Umfangs des Buches bleibt sie dabei dennoch relativ oberflächlich und ich bin damit nicht ganz zufrieden, aber wie gesagt, von Leugnen oder Ignorieren kann bei ihr keine Rede sein.
Magdalena61 hat geschrieben: ↑Do 19. Mär 2026, 01:52
Das NT enthält mehr Konkretes, mehr Details... nicht etwa, weil da eine "Entwicklung der Völker" stattgefunden hätte, sondern: Die Menschen hatten Informationen aus erster Hand... seit und von Jesus Christus. Und so konnten sie die satanische Wirklichkeit besser einordnen und hielten ihre Erkenntnis auch schriftlich fest.
Doch, es hat eine Entwicklung stattgefunden, und zwar unter römischer Fremdbesatzung. Speziell geht es darum, dass die Juden unter römischer Herrschaft eben nicht mehr autonom waren, sondern hochgradig bürokratisiert und Formen von Machtausübung dadurch entpersonalisiert wurden.
Die meisten Juden werden den Kaiser, die Könige oder die Hegemomen nie zu Gesicht bekommen haben. Aber das römische Militär war überall präsent. Sogar im Hohen Rat der Juden hatte man Angst vor dem Kaiser, obwohl das in dem Fall gar nicht angebracht war. Man hatte eben schon diverse Erfahrungen mit Volksverführern.