Dein Hinweis auf das Aktiv von κατῴκισεν ist interessant, greift aber zu kurz. Im Griechischen werden Verben des Wohnens oft aktiv-intransitiv gebraucht – das Subjekt ist die Kraft, die sich niederlässt.ProfDrVonUndZu hat geschrieben: ↑Mo 2. Feb 2026, 09:22Es geht um κατῴκισεν. Deine Übersetzung wäre im Medium (hat sich). Die aktive Form müsste sich dann auf ein Objekt beziehen. Das Objekt wäre hier ziemlich eindeutig der zuvor erwähnte Geist, worauf das "ὃ" direkt nach πνεῦμα hinweist. Das Subjekt (er/sie/es) ist somit in κατῴκισεν impliziert.
Wenn du sagst, ein "Er" (Gott) sei impliziert, ist das eine rein dogmatische Entscheidung, keine grammatikalische Notwendigkeit.
Schau auf Jakobus 1,15: Dort handelt die Begierde aktiv (tiktei – 3. Pers. Sing. Aktiv). Niemand käme auf die Idee, dort Gott als Subjekt zu importieren, das die Begierde schwängert. Die Begierde handelt selbst!
Jakobus personifiziert hier die menschliche Natur. Dieser 'Geist' ist kein passives Objekt Gottes, sondern die (von der geerbten Sünde) aktive, treibende Kraft in uns, die zum Neid drängt. Wer hier Gott einfügt, muss auch den 'Neid' (phthonos) im nächsten Halbsatz wegdiskutieren – und genau da beginnt die Textbeugung.
Das Aktiv von κατῴκισεν unterstreicht hier gerade die Eigenmächtigkeit dieser Kraft. Der Geist hat nicht gewartet, bis er "eingesiedelt wurde", er hat sich den Platz genommen. Wer hier ein externes Subjekt (Gott) hineinliest, tut dies nicht wegen der Grammatik, sondern um der harten Diagnose des Jakobus über unsere Natur zu entkommen.